Architektonische Details
Was das GSW-Haus von anderen Büroneubauten in Berlin unterscheidet, ist sein städtebauliches Konzept.
Das Ensemble verbindet in der Komposition seiner Gebäudevolumen wie durch den Einsatz seiner Architektur Elemente der Stadtstruktur aus dem 18., 19. und 20. Jahrhundert und fügt das bis dahin städtebaulich isolierte Bürohochhaus aus den 50er Jahren in eine neue Gesamtkomposition ein. Anstatt der Rekonstruktion des Berliner Blocks aus dem 19. Jahrhundert wird hier das für Berlin so typische Aufeinandertreffen unterschiedlicher Stadtgenerationen akzeptiert und zum Prinzip erhoben. Im Sinne der Nachhaltigkeit der Stadt wird Bestehendes nicht verworfen sondern neu interpretiert und integriert.
Amelia Kausch beschreibt das Gebäude in "Baumeister", Zeitschrift für Architektur, Ausgabe Februar 2000, folgendermaßen: "Die alte Zentrale, ein wenig geliebtes Punkthochhaus der 50er Jahre (Architekten: Schwebes und Schoszberger), sollte saniert und erweitert werden. Sauerbruch Huttons Vorschlag widersetzte sich als einziger den Vorgaben der Auslobung, jedenfalls auf den ersten Blick. Während sie in der 'kritischen Rekonstruktion' einen zu intellektuellen Ansatz städtebaulicher Planung sahen, vertrauten sie auf materielle und haptische Eindrücke. Anstatt das Alte hinter Blockrändern zu verstecken, integrierten sie es in ein vierteiliges Gebäudeensemble. Das Konzept des Entwurfs ist weniger als feste Struktur im Grundriß zu erkennen: Die Stadt lebt von Bewegung, und so muß man auch das Grundstück begehen und erleben. Die gebogene, elegant verglaste Hochhausscheibe stellte das Architektenpaar dem Altbau zur Seite und lagerte sie auf zwei drei -geschossigen, dunkelgrau gefliesten Sockeln. Am Fuße des Hochhauses jongliert eine gelb-grüne übergroße 'Pillendose' auf dem 110 Meter langen Riegel entlang der Kochstraße.
Die Architekten achten das barocke Stadtmuster, stellen den Flachbau an den Blockrand heran und beziehen sich in der Höhe von Sockeln und 'Pillbox' auf die Traufen der angrenzenden Bebauung. Gleichzeitig verleihen geschwungene Gebäudekanten den starren Körpern Dynamik. [...] So unterstreichen sie [die Architekten] hier das städtebauliche Konzept, in dem jedes Gebäudeteil seine eigene Identität haben soll. An der Westseite des Hochhauses sind es jedoch nicht nur die Farben, auch die Tiefe der Fassade und die Bewegung der bunten Verschattungsstores aus Lochblech geben dem Gebäude Leserlichkeit und eine gewisse Sinnlichkeit. Wassily Kandinski, wäre er Architekt geworden, könnte hier am Werk gewesen sein."
Der Besucher betritt das Gebäude über eine große Eingangshalle, die mit ihrem Mosaikpflaster das Material und die Funktion des Straßenraumes fortsetzt. Zentraler Blickfang ist der beleuchtete, blaue Empfangstresen, von dem aus die gesamte technische und funktionale Nutzung des Komplexes gesteuert werden kann. Ein variables Ausstellungssystem in einem abtrennbaren Bereich des Foyers bietet vielfältige Präsentationsmöglichkeiten. Die Eingangshalle hat ihre kommunikative Wirkung als Veranstaltungsraum bereits mehrfach unter Beweis gestellt.
Die GSW teilt die Büro- und Ladenflächen mit weiteren Nutzern. Den Nutzern und Mietern des Gebäudes steht eine fast unbegrenzte Zahl von Raumgliederungsmöglichkeiten in der Hochhausscheibe zur Auswahl: vom völlig geschlossenen Einzelbüro über weitgehend verglaste Raumkonstellationen (Kombibüros) bis zur großräumigen, etagenumfassenden Arbeitssituation.
Im Juli 1999 wurde das Gebäudeensemble von den Mitarbeitern der GSW-Gruppe bezogen. Obwohl die Gebäudeleittechnik noch nicht vollständig in Betrieb war, konnten die neuen Nutzer die positive Wirkung des klimatischen Konzepts direkt subjektiv empfinden. An diesen heißen Sommertagen führte das komplexe Energiekonzept mit seinen Lüftungs- und Speicherfunktionen bereits ohne mechanische Unterstützung zu angenehm niedrigeren Raumtemperaturen. Diese Wirkung ohne energieverzehrende künstliche Klimatisierung hat damit den richtigen Ansatz der umfangreichen Energiesimulation während der Planungsphase unter Beweis gestellt.

